Spalierfortbildung-Theorie und Praxis

Am 25.05. starteten wir den Praxisteil „Spalier“ bei unserer Referentin Antje in Mittelbiberach. An Antjes beiden Birnbaumspalieren konnten wir gleich unter Beweis stellen, wie viel vom Theorie-Unterricht noch übrig war. So mancher kam ins Grübeln, ob es sich um eine Verrier- oder Gaucher-Palmette handelt, bzw. welcher Baum welchen Spalierschnitt hat. Glücklicherweise hatten einige das Skript zur Hand, so dass wir das Rätsel gemeinsam lösen konnten.
Antje zeigte uns hier die richtige Schnitttechnik, bevor wir, auch wegen einer herannahenden Regenfront, ziemlich schnell zu unserer Reise durch 4 weiteren Gärten starteten.
Die erste Station war in Mittelbiberach, wo wir nicht nur einen relativ jungen Baum, sondern auch die Gerüstkonstruktion begutachten konnten. Vom Gartenbesitzer erhielten wir auf Anfrage wertvolle Tipps hierzu.

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Danach ging es weiter zu einem älteren Spalier, ebenfalls in Mittelbiberach. Mittlerweile regnete es in Strömen, was Antje nicht davon abhielt, den Baum fachmännisch zu schneiden und uns nebenbei zu erklären, wieso sie die einzelnen Schnitte durchführt.
Anschließend ging es nach Reute, wo ein kleines Highlight auf uns wartete: eine belgische Hecke, die von Antjes Vater und dem Besitzer Schorsch schon viele Jahre gehegt und gepflegt wird. Hier durften wir die letzte Ernte in flüssiger Form genießen. Schorsch lud uns in seinen Wintergarten zu Most, Saft und Häppchen ein und wir fühlten uns rundum wohl. In geselliger Runde wurden einige lustige Anekdoten rund um die Streuobstwiesen erzählt. Manche Vorkommnisse, bei denen es um Obstdiebstahl und rücksichtsloses Verhalten ging, machten uns aber auch nachdenklich.

Zurück in Mittelbiberach schauten wir uns nochmals ein paar sehr schön erzogene, junge Spalierbäume (Birne, Apfel, Kirsche) an und ließen uns von der Gartenbesitzerin von ihren Erfahrungen erzählen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich für die Spaliererziehung vor allem die M9-Unterlage empfiehlt, bei Kirschen ist Colt eine gute Wahl. Außerdem spielt auch die richtige Sorte eine große Rolle.

Den Tag ließen wir bei Antje bei hervorragender Bewirtung und vielen guten Gesprächen ausklingen.

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Fachwartfortbildung Erziehungsschnitt

Die Fachwartfortbildung Erziehungsschnitt ist ein fester Bestandteil des Forrtbildungsprogrammes des Netzwerkes der Fachwarte.

Dieses Jahr waren wir wieder auf der Eberhardzeller Streuobstwiese. Aufgrund der guten Pflege hatten sich die Jungbäume wirklich gut entwickelt.

Bevor es ans Schneiden in gemischten Kleingruppen ging, gab es einen theoretischen Input: Erziehungsschnitt an Birnbäumen.

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Im Gegensatz zum Apfelbaum mit der meist runden Kronenform, neigen viele Birnensorten zu einem hochpyramidalen Wuchs. Bei einer nachlässigen Kronenerziehung "geht dann die Mitte durch" und die Leitäste verkümmern. Werden beim Erziehungsschnitt konsequent die Mitte schlankgeschnitten und die Leitäste gefördert, kann man zu hohe Birnbäume verhindern. 

Spannend ist der Schnitt von Birnbäumen durch Sortentypische Wuchseigenschaften: viele Sorten neigen zu extrem flachen oder steilen Astansatzwinkeln und auch zu weiteren Herausforderungen wied den häugig anzutreffenden Schleuderwuchs, z.B. bei der Ulmer Butterbirne.

SOS Streuobstwiese 2019

 

Mit dem Projekt SOS Streuobstwiese üterstützt das Netzwerk der Fachwarte Streuobstwiesenbesitzer bei der Pflege ihrer Streuobstbestände.

Dieses Jahr waren wir in Riedlingen. Dort pflegen BUND Mitglieder eine große Streuobstwiese. Rund 25 Fachwarte trafen sich dort am 23. Februar um die Riedlinger BUND Ortsgruppe tatkräftig und fachkundig zu unterstützen.

Neben der praktischen Arbeit war der theoretische Input ein wichtiger Teil der Veranstaltung: Claudia Klausner gab einen Überblick über die Vitalitätsstufen nach Roloff.

Dass auch ein abgängiger Obstbaum noch vegetative Triebe vorweisen kann und was die Merkmale von vitalen und bedingt vitalen Bäumen sind konnte an den vorhandenen Bäumen anschaulich demonstriert werden.


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Die Streuobstwiese besteht zum größten Teil aus abgängigen Bäumen. Ziel der Pflege war dort die Stabilität zu erneuern um dadurch die ökologisch wertvollen Habitatbäume mit ihren Nisthöhlen möglichst lange zu erhalten.


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Ganz vorbildlich gibt es auf der Streuobstwiese auch junge Obstbäume. An diesen durften dann die Fachwarte unter der Anleitung von Antje Beducker ihre Kenntnisse über den Schlankschnitt vertiefen.

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Fortbildung: Schlankschnitt mit Gerhard Weyers

Die erste Fortbildung in 2019 beschäftigte sich mit dem Thema Schlankschnitt als Technik für die Pflege großkroniger Obstbäume. Hierzu hatte das Netzwerk Gerhard Weyers als Referenten gewinnen können. Die Veranstaltung begann mit einer theoretischen Einführung in das Thema. Gerhard Weyers hob hier insbesondere hervor, dass der Vorteil des Schlankschnitts in seiner ausgleichenden Wirkung auf die physiologischen Prozesse des Baumes liegt. Übermäßiges Triebwachstum wird maßvoll vermindert, vergreiste Bäume können revitalisiert werden.

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Danach ging es raus auf die Streuobstwiese. Gerhard Weyer gab hier eine kurze Überblick über Sicherungstechniken beim Arbeiten auf der Leiter. Eine für viele Fachwarte neue Erfahrung war die Verwendung der Südtiroler Steigtanne, einer Einholmleiter. Gerhard Weyer zeigte, dass sich diese Leiter gut im Baum positionieren lässt und eine sehr gute Standsicherheit aufweisst. An einem, seit mehreren Jahren ungeschnittenen Apfelbaum führte er dann exemplarisch das Vorgehen beim Schlankschnitt vor. Es zeigte sich, dass die Technik des Schlankschnitts nicht eine bestimmte Kronenform (z.B. Oeschberg) voraussetzt, sondern immer angewendet werden kann. Das Pflegeziel Baumgesundheit und Revitalisierung kann somit immer erreicht werden. Voraussetzung der Schlankschnitttechnik sind allerdings kürzere Pflegeintervalle.

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Den Abschluss bildete, wie bei jeder Veranstaltung des Netzwerks, ein kleines Vesper. Hier wurde noch eifrig über das gerade Erlente mit dem Referenten und anderen Fachwarten diskutiert.