Fachwartfortbildung Erziehungsschnitt 1

 

 

 

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Das Thema der beiden Fachwartfortbildungen "Erziehungsschnitt" im Winter 2018 ist "den Baum verstehen". 

Wachstumsgesetze, Auxinproduktion der Knospen, Schlankschnitt, Astabgangswinkel und unerwünschten Entwicklungen vorzubeugen... Die Aufzählung der Schlagworte spricht für sich. 

Die Umsetzung dessen war das Ziel der zweiten Fachwartfortbildung am 24. Februar 2018 in Eberhardzell.

Bei strahlendem Sonnenschein und eisigem Wind wagten sich 26 Fachwarte und zwei Mitarbeiter des Eberhardzeller Bauhofes auf die kommunale Streuobstwiese am Eberhardzeller Ortsrand.

Dort wurden im Herbst 2010 rund 100 Obstbäume im Rahmen der Fachwartausbildung gepflanzt. Diese wurden damals noch mit unverzinkten Drahtkörben gepflanzt. Die Folge waren imense Verluste durch die Wühlmaus. Aufgrund der vielen Nachpflanzungen stehen nun auf der Wiese Bäume im Alter vom 1.- bis zum 7. Standjahr. Für eine Fachwartfortbildung ist die Mischung optimal.

Antje und Claudie hatten einen theoretischen Input vorbereitet. Anhand der vorhandenen Bäume und vorbereiteter Materialien wurden Faktoren welche die Stabilität, das Wachstum und den Baumaufbau beeinflussen besprochen. Gemeinsam wurden zwei Bäume beispielhaft geschnitten. Im Anschluss durften die Fachwarte das gesehene und gehörte in Kleingruppen in die Praxis umsetzen.

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Fachwartfortbildung Thema Mistel

Auch bei der zweiten Fortbildungsveranstaltung drehete sich alles um die Mistel. 17 Fachwarte trafen sich in Unterbalzheim, um mehr über die weißbeerige Laubholzmistel (Viscum album) zu erfahren. Hans Peter Hannak gab zu Beginn einen allgemeinen Überblick über die Mistel. Wichtigstes Detail: Die Mistel steht nicht unter Schutz und darf zum Schutz der Bäume entfernt werden. Die Bekämpfung des Halbschmarotzers ist nach dem Anwachsen der Pflanze sehr schwierig. Über Rindenstränge und Sekundärsenker kann die Mistel ganze Ästpartien befallen, eine vollständige Entfernung der Mistel ist dann aufgrund dieser vegetativen Vermehrung sehr schwierig. Die Verbreitung und somit der Erstbefall eines Baumes findet über Vögel statt. Durch klebrigen Schleim bleiben die Beeren leicht an Ästen des Wirtsbaumes haften. Die Misteln sind Lichtkeiner und wachsen sehr langsam. Sie sind deshalb oft erst Jahre nach dem Befall gut erkennbar.
Mit diesen Informationen begaben sich die Fachwarte nun auf eine Wiese mit Apfelbäumen. Die Bäume wiesen einen sehr starken Befall mit Misteln auf und waren schon längere Zeit nicht geschnitten worden. Die konkrete Herangehensweise wurde deshalb heftig diskutiert. Man einigte sich darauf, dass in einem ersten Schritt klassische Schnittziele (Auslichtungsschnitt, Verjüngungsschnitt) angewendet werden sollten. In einem weiteren Schritt sind dann noch vorhandene Misteln zu entfernen. Hierzu sollten die befallenen Äste entfernt werden bzw. die Misteln herausgeschnitten oder -gebrochen werden. Oberstes Ziel ist es hierbei möglichst alle fruchtenden Misteln aus dem Baum zu entfernen. Auch wenn die hierbei entstehenden Schnittwunden bei "normalen" Schnittmaßnahmen nicht zu tolerieren wären. Die Bäume müssen nach dieser ersten Schnittmaßnahme ständig auf Befall untersucht werden.
Nach getaner Arbeit stärkte man sich mit Kaffee und Kuchen und einer leckeren Suppe.

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Streuobstwiesenexkursion

 

 

Am 05. Januar 2018 fand die erste Streuobstwiesenexkursion des Netzwerkes statt.

Diese führte 20 Fachwarte nach Sonderbuch bei Blaubeuren. Dort hat ein Vereinsmitglied zwei Obstgärten gepachtet und sich das Ziel gesetzt diese alten, seit langen ungepflegten Bestände zu sanieren. Auch auf der Sonderbucher Alb ist der Mistelbefall ein großes Problem.

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Es gehört eine Portion Mut dazu, die Fachwartkollegen in den eigenen Obstgarten einzuladen und sich den fachkundigen und möglicherweise auch kritischen Kollegen zu stellen.

Zur Besorgnis gab es jedoch keinen Grund. Denn hier wurde auf fachlich hohem Niveau gearbeitet.

Durch den massiven Mistelbefall waren teilweise heftige Eingriffe notwendig. Die Schnittmaßnahmen waren für die Besucher gut nachvollziehbar, da sie aufgrund der vielen Fotos welche die Bäume vor und nach dem ersten Schnitt dokumentieren, den Ausgangszustand vor Augen hatten.

Ein Teil der Bäume wurde im Winter 2016/17 schon geschnitten. Der Austrieb während der Vegetationsperiode 2017 war deutlich erkennbar, jedoch fiel dieser trotz der starken Eingriffe nicht übermäßig aus.

Das liegt zum einen daran, dass erfahrungsgemäß, erst im zweiten Jahr nach dem Schnitt ein deutlicher Wachstumsschub stattfindet. Ein weiterer Grund für den gemäßigten Austrieb ist sicherlich auch die Lage: die Sonderbucher Alb ist rau und steinig.

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Intensiv wurden die Fragen diskutiert:" Wie wird nun weiterverfahren?". " Durch welche Maßnahmen kann die Krone neu formiert werden?"

Die Mistel als Schmarotzerpflanze, welche nicht nur Obstbäume massiv schädigt, breitet sich immer mehr aus und ist inzwischen auch im Landkreis Biberach angekommen. Um der weiteren Verbreitung Einhalt zu gebieten muss man die Mistel kennen und verstehen.

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Links das Holz einer alten Mistel, vollständig verwachsen mit einem Ast.

 

Das Treffen zu Beginn der Schnittsaison 2018 um sich einzustimmen, um sich auszutauschen und zu fachsimpeln war ein gemütlicher und zudem lehrreicher Auftakt welcher dazu motiviert die Sägen und Leitern abzustauben!

Vielen Dank für die Einladung, die tolle Dokumentation und die köstliche Bewirtung!!! 

 

Herzliche Glückwünsche!

 

wir gratulieren unseren Vereinsmitgliedern Edgar Götz, Werner Schöll und Wilfried Wydler zur bestandenen Prüfung zum LOGL-geprüften Obstbaumpfleger!

Nach 6 intensiven Seminartagen in Schwäbisch Gmünd und drei Prüfungen (theoretisch, praktisch und mündlich) haben Werner und Edgar die Prüfung mit dem hervorragenden Schnitt von 1,8 bestanden. Wir freuen uns darüber, dass drei weitere Obstbaumpfleger nun ihr Wissen miteinbringen werden!

Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!

LOGL