Streuobstwiesenexkursion

 

 

Am 05. Januar 2018 fand die erste Streuobstwiesenexkursion des Netzwerkes statt.

Diese führte 20 Fachwarte nach Sonderbuch bei Blaubeuren. Dort hat ein Vereinsmitglied zwei Obstgärten gepachtet und sich das Ziel gesetzt diese alten, seit langen ungepflegten Bestände zu sanieren. Auch auf der Sonderbucher Alb ist der Mistelbefall ein großes Problem.

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Es gehört eine Portion Mut dazu, die Fachwartkollegen in den eigenen Obstgarten einzuladen und sich den fachkundigen und möglicherweise auch kritischen Kollegen zu stellen.

Zur Besorgnis gab es jedoch keinen Grund. Denn hier wurde auf fachlich hohem Niveau gearbeitet.

Durch den massiven Mistelbefall waren teilweise heftige Eingriffe notwendig. Die Schnittmaßnahmen waren für die Besucher gut nachvollziehbar, da sie aufgrund der vielen Fotos welche die Bäume vor und nach dem ersten Schnitt dokumentieren, den Ausgangszustand vor Augen hatten.

Ein Teil der Bäume wurde im Winter 2016/17 schon geschnitten. Der Austrieb während der Vegetationsperiode 2017 war deutlich erkennbar, jedoch fiel dieser trotz der starken Eingriffe nicht übermäßig aus.

Das liegt zum einen daran, dass erfahrungsgemäß, erst im zweiten Jahr nach dem Schnitt ein deutlicher Wachstumsschub stattfindet. Ein weiterer Grund für den gemäßigten Austrieb ist sicherlich auch die Lage: die Sonderbucher Alb ist rau und steinig.

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Intensiv wurden die Fragen diskutiert:" Wie wird nun weiterverfahren?". " Durch welche Maßnahmen kann die Krone neu formiert werden?"

Die Mistel als Schmarotzerpflanze, welche nicht nur Obstbäume massiv schädigt, breitet sich immer mehr aus und ist inzwischen auch im Landkreis Biberach angekommen. Um der weiteren Verbreitung Einhalt zu gebieten muss man die Mistel kennen und verstehen.

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Links das Holz einer alten Mistel, vollständig verwachsen mit einem Ast.

 

Das Treffen zu Beginn der Schnittsaison 2018 um sich einzustimmen, um sich auszutauschen und zu fachsimpeln war ein gemütlicher und zudem lehrreicher Auftakt welcher dazu motiviert die Sägen und Leitern abzustauben!

Vielen Dank für die Einladung, die tolle Dokumentation und die köstliche Bewirtung!!! 

 

Herzliche Glückwünsche!

 

wir gratulieren unseren Vereinsmitgliedern Edgar Götz, Werner Schöll und Wilfried Wydler zur bestandenen Prüfung zum LOGL-geprüften Obstbaumpfleger!

Nach 6 intensiven Seminartagen in Schwäbisch Gmünd und drei Prüfungen (theoretisch, praktisch und mündlich) haben Werner und Edgar die Prüfung mit dem hervorragenden Schnitt von 1,8 bestanden. Wir freuen uns darüber, dass drei weitere Obstbaumpfleger nun ihr Wissen miteinbringen werden!

Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!

LOGL

100 Obstbäume für die Zukunft

Wer mit wachem Blick durch Oberschwaben fährt sieht, dass der überwiegende Teil der Obstbäume in der Landschaft alte Bäume sind. Dieser Eindruck entspricht durchweg der Realität. 

Die letzte Streuobsterhebung in Baden- Württemmberg von 2005 verdeutlicht die Situation:

Der Anteil am Neuanpflanzungen ist gleich hoch wie der Anteil der abgängigen (absterbenden) Obstbäume. Rund 74% der Obstbäume in der Landschaft befinden sich im ertragsfähigen Alter. 

Diese Zahlen hinterlassen im ersten Moment einen positiven Eindruck. Jedoch erhalten nur rund 21% der Obstbäume einen regelmäßigen Schnitt. Diese mangelhafte Pflege verkürzt die Lebenserwartung eines Obstbaumes deutlich.

Wie ist die Situation in 20 Jahren? Wieviele Obstbäume gibt es dann noch?

Diese Frage stellen sich auch die Mostereien und Fruchtsaftkeltereien in der Region.

Beim Austausch im Rahmen des Runden Tisches des Netzwerkes der Fachwarte und der Mostereien wurde die Frage diskutiert: wie können Streuobstwiesenbesitzer motiviert und unterstützt werden?

So entstand die Idee für das Projekt: Aufwertung von bestehenden Altbeständen durch Ergänzungspflanzungen von Jungbäumen.

Die Fruchtsaftkelterei Bentele aus Englisweiler (Steinhausen a.d. Rottum) konnte als Projektpartner gewonnen werden.

Die Adventskalenderaktion der Kreissparkasse Biberach und die Firma Böhringer Ingelheim unterstützen die Idee mit 2000.-€, bzw. 350.-€.

Die Fruchtsaftkelterei Bentele führte unter ihren Obstlieferanten eine Umfage durch. Dadurch kamen Kontankte zu Streuobstwiesenbesitzern, welche gerne Obstbäume nachpflanzen, bzw. ihre Bestände erweitern möchten zustande. In persönlichen Gesprächen vor Ort wurde die Motivation der Interessenten abgeklärt. 

Am Ende blieben 15 Streuobstwiesenbesitzer übrig. Welche ihre Bäume auch bisher schon pflegen und zusätzlich das Interesse haben, ihre Obstbaumschnittkenntnisse zu vertiefen.

Diese 15 Streuobstliebhaber wollten insgesamt 96 Obstbäume pflanzen.

Am 11. November 2017 fand die große Obstbaumpflanzaktion statt. 

Die potentiellen Baumbesitzer und ein gutes dutzend Fachwarte und weitere Helfer trafen sich auf dem Hof der Mosterei Bentele in Englisweiler um die bei der Baumschule Haid bestellten Bäume zu verteilen, an ihren Bestimmungsort zu transportieren und natürlich auch zu pflanzen.

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Mit der Unterstützung und fachkundigen Anleitung durch die Fachwarte konnten die Obstbäume trotz des nasskaltem Novemberwetters in bester fachlicher Praxis gepflanzt werden.

Es wurden 35 verschiedene Sorten gepflanzt. Das meiste sind Apfelbäume, neben den Klassikern wie Bohnapfel, Boskoop und Sonnenwirtsapfel wurden häufig Lokalsorten wie Christs Liebling, Kickacher und Aufhofer Klosterapfel ausgewählt. Auch ein paar Birnen- und Zwetschenbäume und ein Walnussbaum standen auf der Liste.

Die Baumbesitzer übernehmen die Kosten für die Obstbäume. Das weitere Zubehör wie Wühlmauskorb, Pflahl, Anbindematerial etc. wurde vom Netzwerk der Fachwarte mit den Spendengelden übernommen.

Nach der anstrengenden Arbeit gab es selbstvertändlich ein Vesper in den Räumlichkeiten der Mosterei Bentele.

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Damit sich die Mühe lohnt und die Bäume auch dann die ersehnten Früchte tragen ist eine kontinuierliche Pflege unverzichtbar. Das erste Treffen der Jungbaumbesitzer findet im März 2018 statt. Dort stehen dann der Pflanzschnitt und die weiteren Pflegemaßnahmen auf dem Programm. Alle Obstbaumbesitzer haben zugesichert, dass sie das Angebot der intensiven fachlichen Begleitung durch die Fachwarte des Netzwerkes nutzen möchten. Während der nächsten zehn Jahre sollen jährliche Schnittkurse einen fachgerechten Erziehungsschnitt und eine optimale Jungbaumpflege gewährleisten.

Danach sind die ohnehin schon motivierten Obstbaumliebhaber in der Lage ihre Bäume selbstständig und fachgerecht zu pflegen.

Nur wenn Obstbäume nachgepflanzt und auch gepflegt werden, hat das Kulturbiotop Streuobstwiese eine langfristige Perspektive. Streuobstwiesen sind unersetzliche Überlebensräume für viele Tier und Pflanzenarten. Sie sind Inseln der Biologischen Vielfalt, die wir für die nächsten Generationen erhalten müssen.

 

 

 

 

 

Jahresausflug 2017

Wenn Engel reisen. So betitelte Antje unseren diesjährigen Ausflug zur Nussbaumschule Gubler und auf die Reichenau. Mit dieser Betitelung verband Antje jedoch vorrangig die Hoffnung auf besseres Wetter. Und ein bisschen hat es auch geklappt.

Morgens ging es mit etwas Verspätung auf zur Nussbaumschule Gubler in Hörhausen, Schweiz. Die erste Hürde war der Grenzübertritt. Anscheinend hatten die Eidgenossen Angst vor so viel Fachkompetenz, die hier in die Schweiz einzusickern drohte. Sie ließen uns daher lange warten, bis wir endlich doch die Grenze passieren durften. Und so kostete diese weitere Zeitverzögerung nun endgültige den Mitreisenden die Chance auf ein zweites Frühstück.

Angekommen bei der Nussbaumschule, sah man einige in der Verkaufshalle schnell einige Walnüsse knacken, um das aufgekommene Hungergefühl zu unterdrücken. Herr Gubler erzählte den Mitreisenden auf sehr informative Art seinen Werdegang zum Nussbaumschulenbetreiber. Seinen Darlegunge war die hohe Fachkompetenz anzumerken, die er sich seit dem Beginn der Baumschule 2009 angeeignet hat. Interessant war die Information, dass es neben den alten terminalen Sorten immer mehr laterale Sorten gibt, die neben dem höheren und schnelleren Ertrag auch eine geringere Wuchsleistung aufweisen. Diese Sorten sind deshalb auch für größere Hausgärten durchaus geeignet. Als Sorte stellte er hier insbesondere die Sorte Lara vor, die wegen ihrer geringen Krankheitsanfälligkeit sehr zu empfehlen ist. Leider ist diese Sorte nicht unbedingt für Höhenlagen geeignet. Gubler baut sie aber bei sich auf 550 Höhenmeter erfolgreich an. Allerdings herrscht hier noch etwas das Bodenseeklima. Nach der Einführung, überdacht in einem Informationsraum, ging es hinaus ins Gelände. Hier besuchten wir zwei Parzellen seiner Baumschule. Die erste Parzelle dient Herrn Gubler als Sortenerhaltungsgarten. Auf der zweiten Parzelle zeigte uns Herr Gubler die guten Wachstumsleistungen der Sorte Lara. Zurück im Verkaufsraum versorgte sich ein Großteil der Fachwarte noch mit Nüssen.

Mehr oder weniger durchgefroren und vom Wind zerzaust begaben wir uns nun wieder zurück zum Bodensee und fuhren zu unserer Mittagsstation. Jetzt hatte auch der letzte Mitreisende endgültig Hunger. Und so war jeder ausgiebig mit seinem Mittagessen beschäftigt. Danach wurde es kulturell, kirchengeschichtlich und wirtschaftlich hochinteressant. Unsere Führerin begleitete uns auf amüsante Weise einmal rund um die Insel und erzählte uns alles Wichtige zu nachbarschaftlichen Beziehungen am Bodensee, kirchlichen Hochkulturen und Niedergängen und der derzeitigen Situation des Gemüseanbaus auf der Insel. Ein letzter Blick von der höchsten Erhebung der Insel zeigte uns noch einmal die Reichenau und den Untersee im Überblick.

Voller Eindrücke begann nun die Heimfahrt und ich glaube, kein Mitfahrender hat seinen Entschluss heute dabei gewesen zu sein bereut, trotz suboptimaler Wetterlage und ausgefallenem Busvesper.

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